Erläuterungen zum Antrag betreffend die Errichtung und Gestaltung des Dokumentations- und Aufarbeitungs-Zentrums zur Geschichtsepoche 1945 bis 1990 im früheren Herrenhaus Plänitz / Neustadt-Dosse

Gutshaus Plänitz 2008 - Besichtigung

Ausgangslage und Begründung der Wahl des Standorts
Im 20. Jahr nach dem historischen Fall der Berliner Mauer, mit dem die deutsche Wiedervereinigung eingeleitet wurde, möchten engagierte Bürgerinnen und Bürger ein Zentrum der Erinnerung und Aufarbeitung schaffen.Hier sollen besonders die Geschehnisse und Schicksale am Beginn der deutschen Teilung 1945 sowie die geschichtlichen Ereignisse in den über vierzig Jahren der Existenz der DDR dargestellt und aufgearbeitet werden. Möglich wird dies gemacht mit den noch vorhandenen Zeitzeugnissen, Dokumenten , Beschreibungen und Bildern. Hierfür hat eine umfangreiche Vorarbeit stattgefunden, die u.a. mit der Schaffung einer Datenbank mit jetzt schon über 2000 Seiten ihresgleichen in Deutschland sucht und dazu beitragen wird, dem Vorhaben einen erfolgreichen Weg zu bahnen.

Vor diesem Hintergrund hat eine gemeinützig anerkante Vereinigung mit Sitz in München, die« Fördergemeinschaft Recht und Eigentum( FRE) »im Kontext mit ihrer Bearbeitung wissenschaftlicher Fragen zur deutschen Einheit und dadurch bedingter Tätigkeit in Forschung und Entwicklung im Jahre 2008 folgende Inititive ergriffen:

In Neustadt/Dosse, Ortsteil Plänitz soll ein Zentrum der Aufarbeitung und für Dokumentation entstehen, das zugleich einen Museumsteil für Ausstellungen und Archive enthalten kann. Der Standort soll zudem als Begegnungsstätte für alle interessierten Bürger dienen und dabei besonders der jungen Generation wichtige geschichtliche Zusammenhänge so objektiv wie möglich vermitteln. - Zusammen mit einer Reihe von Unterstützern der Initiative aus der Region und aus ganz Deutschland sind bereits seit dem letzten Jahr erfolgreich erste konkrete Schritte zur Umsetzung des Vorhabens gegangen worden, die im Folgenden zusammenfassend zu erläutern sind.

Die Entscheidung für den Ort, nämlich für das als wertvolles Baudenkmal eingestufte frühere Gutshaus Plänitz, ein über 300 jähriger Fachwerk-Barockbau mit ungewöhnlicher Prägung und Lage, beruht zum einen auf der unmittelbaren Nähe zur Stadt Kyritz, in der am 02.September 1945 die sogenannte Bodenreform in der damaligen sowjetischen Besatzungszone verkündet und deren Konsequenzen erstmalig in den umliegenden Dörfern eingeleitet wurden, zum anderen auf der historischen Tatsache, dass in Plänitz selbst die erste direkte Umsetzung der Enteignungsmassnahmen ab 1945 vorgenommen und sogar detailliert dokumentiert worden ist.

Die seit Bekanntwerden der Initiative im Jahre 2008 festzustellende Unterstützung aus der Bevölkerung und das Interesse im Bereich der öffentlichen Stellen gibt den Initiatoren das Zutrauen zu einer intensiven Fortsetzung der bereits getroffenen Vorbereitungen und konzeptionellen Planungsarbeiten. Die inzwischen erreichte Ausgangslage kann aufbauen auf den Ergebnissen der u.a .2008 in Potsdam und Döllen/ Prignitz sowie in Nordvorpommern erfolgreich veranstalteten Foren und« Werkstatt-Ausstellungen »zu den verschiedenen geschichtlichen Phasen vor und nach 1945 . Diese sind dokumentiert und auszugsweise dem Antrag beigefügt.

Die weiteren Vorbereitungen werden getroffen in enger und ständiger Kooperation mit den Fachleuten der Ämter für Denkmalschutz , wobei allen Beteiligten die beondere Verpflichtung für das zu erhaltene - und im Falle des Gebäude-Ensembles Plänitz wieder herzustellende - Kulturerbe bewusst ist. Beweis für die besondere Ernsthaftigkeit des Vorhabens und der einsetzenden Dynamik zu seiner Umsetzung ist die Tatsache, dass aufgrund privaten Engagements dieses vorher vom Verfall bedrohte Ensemble mit dem gesamten Grundstück bereits erworben und eine umfangreiche Planung des Bauvorhabens vorgelegt worden ist.

Kriterien zum Aufbau des Zentrums

Die räumliche Ausdehnung des Plänitzer Hauses (über 700 qm Inenfläche ohne Dachboden und Keller) und der teilweise hoch sanierungs- und restaurierungsbedürftige Zustand der Räume, die über viele Jahre leer standen und sich denoch in verhältnismässig« gutem Zustand »befinden, macht unseres Erachtens von der finanziellen Realisierungsmöglichkeit her zwar nur eine Wiederherstellung in mehreren Etappen möglich, erfordert jedoch nach ein klar erkennbares bauliches Gesamtkonzept. Dieses ist der vorgelegten Bauplanung zu entnehmen.

Es ist aber als ein Vorteil in diesem« Stufenplan »anzusehen, dass schon relativ kurzfristig eine erste Nutzung zu Ausstellungs- und Seminarzwecken sowie zur Unterbringung von Archiv- und Datenmaterial sowie einiger Personen als Betreuer des künftigen Plänitzer Zentrums in Angriff genommen werden könnte. Zahlreiche Materialien sind verfügbar. Geeignete und engagierte Personen für das Ingangsetzen der Arbeit des Zentrums haben sich zur Mitwirkung bereit erklärt.

Die schon erwähnten historischen Unterlagen und Abbildungen zum einen das frühere Gutshaus selbst betreffend, zum anderen das direkte Umfeld darstellend , wozu insbesondere ein historisches privates Brauerei-Gebäude gehört, können bei der schrittweisen Restaurierung wertvolle Anhaltspunkte geben und sind ein Grund für die besondere Befürwortung des konkreten und dringlichen« Rettungsvorhabens »durch Kommune , Kreis, Land und natürlich besonders seitens des Denkmalschutzes.

Zum historischen Ensemble gehört eine ansprechende Parkanlage, die sich zur Zeit jedoch noch in eher verwildertem Zustand überwiegend in der Verfügungsgewalt der BVVG befindet. Mit dieser bundeseigenen Privatisierungsgesellschaft sind Verhandlungen betreffend eine Übernahme im Gange, entweder durch einen privaten, mit dem Gesamtvorhaben verbundenen Erwerber oder durch die als Nutzer vorgesehene »Fördergemeinschaft Recht und Eigentum« selbst.- Planungsüberlegungen zur Wiederherstellung des Parks nach Vorlagen wurden bereits angestellt.

Es wird aufgrund sorgfältiger Vorbereitungen der Beteiligten sowie der Beauftragung der für derartige Restaurierungsaufgaben qualifizierten Architekten-Firma« Dienstleistung Denkmal« , ferner durch Mitwirkung angesehener Betriebe der Bauausführung davon ausgegangen, dass alle wesentlichen Voraussetzungen für eine ordentliche und risikoarme, dazu rasche Durchführung in Plänitz mittlerweile geschaffen worden sind.

Entscheidendes Kriterium ist somit die Akzeptanz und Umsetzung des Antrages zur Förderung des Vorhabens, dies auch im Lichte der Zustimmung zur beantragten detaillierten Baugenehmigung.

In der Erwartung eines weiteren zügigen Vorankommens sind bereits Vorschläge skizziert worden zur Nutzung des Gutshaus- Gebäudes für bestimmte Projekte und Vorhaben, übrigens auch mit touristischer Komponente.

Ausserdem haben sich die Initiatoren schon Gedanken gemacht, die in Richtung von Synergie-Effekten für die Region gehen könnten. Diese sind in nachbarschaftlicher Zusammenarbeit durch Einbeziehung von Orten und Sehenswürdigkeiten der Umgebung von Neustadt/Dosse hinsichtlich kultureller und touristischer Attraktionen und Möglichkeiten zu erzielen. Ideen hierzu sind im Anhang als eine Art« Mosaik »von Anregungen dargestellt, bedürfen aber noch der weiteren Vertiefung sowie der Abstimmung mit anderen potentiellen Beteiligten.

Sicherlich bieten gerade Neustadt/Dosse und seine Umgebung für kreative Ansätze zur Nutzung bzw. für Vorhaben mit« Nebennutzen »gute Voraussetzunen, dies gegebenenfalls mit besonderer Ausstrahlung für Interessierte in Richtung Grossraum Berlin.

Zielsetzung und Zukunfts-Perspektiven

Das Konzept zur Gestaltung des »Zentrums zur Dokumentation und Aufarbeitung der Geschichtsepoche von 1945 bis 1990« basiert auf dem Tatbestand, dass es zwar in der nahen Hauptstadt Deutschlands und auch in zahlreichen Orten der Bundesrepublik einerseits verschiedene Gedenkstätten, Museen und Erinerungsorte zur eigenen Geschichte gibt, andererseits aber ein Zentrum der übergreifenden Dokumentation, Aufarbeitung und Erinnerung der Geschichtsepoche vor und nach dem Jahr Jahr 1945 in den jungen Ländern bisher nicht existiert. Die Aufgabe lautet dementsprechend:
Die bestehende Lücke muss aus historischer wie gesellschaftlicher Sicht jetzt geschlossen werden.

Damit kann der grosse Schatz aus dem Fundus der noch lebenden Zeitzeugen des Geschehens von 1945 bis 1990 auf dem Gebiet der jungen Länder, der bisher kaum genutzt werden kann , der gerade den künftigen Generationen bislang nur unzureichend dargestellt wird, in seiner wahren Bedeutung gezeigt und allen nahegebracht werden. Zu bedenken ist auch, dass die Zahl der Zeitzeugen altersbedingt ständig abnimmt, und damit auch wertvolle Unterlagen und Materialien verloren zu gehen drohen, so dass dringender Handlungsbedarf zum jetzigen Zeitpunkt besteht.

In den zentralen Fragen der historischen Aufarbeitung und deutschen Vergangenheitsbewältigung werden die ländlichen Räume bisher weit unterproportional berücksichtigt. Das läßt sich an den Beispielen des 17.Juni 1953 ebenso nachweisen wie in Darstellungen und Zeitzeugnissen in der Phase der Zwangskollektivierung sowie der Opposition am Ende der DDR und in der Vorwendezeit 1988/89.

Da das Territorium der jungen Länder in überwiegend von ländlichen Räumen gekennzeichnet ist ( siehe Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, aber auch Thüringen und weite Teile Sachsen-Anhalts), soll es bei der geplanten geschichtlichen Dokumentation und Aufarbeitung beonders um die lebendige Darstellung und nachhaltige Wertung der Schicksale und Fakten auf dem Lande und in den kleinen Orten und Städten gehen, bei Bauern und Landarbeitern, Bürgern und kleinen Mittelständlern aller Art . Ihre soziale Bedeutung wie ihre Lebensbilder sind im Begriff, zu Unrecht wegen der Defizite in der Wahrnehmung zu verschwimmen.

Über diese auch gesellschaftspolitische zukünftige Aufgabe haben die Initiatoren des Plänitz-Projekts schon mit Wissenschaftlern, insbesondere Historikern und Soziologen, aber auch mit Politikern gesprochenund sind dabei auf Interesse und anregende Beiträge gestoßen. -

Somit könnten die schon ab 2010 vorgesehenen Veranstaltungen zu dieser Thematik jene Lücke ebenfalls mit schliessen helfen.

Die grundsätzlichen Überlegungen sowie der Stand der lebendigen und ständig weiter gehenden Diskussion zum Konzept des« Memorial '45 bis 89«, des Plänitzer Dokumentations- und Aufarbeitungszentrums können wegen ihres Umfangs hier nur in konzentrierter Form als eine« Konzept-Skizze«( siehe Anlage) dargelegt werden.

Zu den tiefer gehenden Erörterungen sollen besonders die interessierten Bürger der Region eingeladen werden. *
ulms 20.03.09